Die Diktatur der Prämisse

Samstag wollen Toby und ich mal wieder podcasten und da habe ich meinen Blog mal nach Schreibtipps durchpflügt, die ich mal HIER zusammengestellt habe. Gleichzeitig fiel mir auf, dass ich zu meinem Lieblingsthema Prämissen noch gar nicht viel geschrieben habe.

Was ist eine Prämisse?

Die Prämisse ist die Kernaussage des Romans. Hier ein paar Beispiele:

  • Wahre Liebe führt zum Tod
  • Ehrlich währt am Längsten
  • Gier macht einsam

Wie verwendet man eine Prämisse?

Mit dem Roman beweist man die Gültigkeit der Prämisse. Nehmen wir z.B. die Prämisse „Wahre Liebe führt zum Tod“. Der Roman könnte jetzt so aufgebaut sein, dass der Protagonist im Laufe des Buchs diverse Liebschaften hat, die kommen und vorüber gehen. Die Beziehungen sind reizvoll und spannend, aber es stellt sich immer wieder heraus, dass irgendetwas fehlt. Vielleicht verlangt eine Frau von ihm etwas, dass er nicht bereit ist zu geben. Vielleicht verlässt er die andere, weil sie fremd geht. 

Eines Tages aber lernt er die Frau seines Lebens kennen, seine wahre Liebe. Nur diese bringt den Protagonisten in eine Situation, die für ihn tödlich endet. Geht sie fremd, ist er nicht bereit sie zu verlassen und wird von ihrem neuen Lover erschossen. Oder sie hat einen Unfall, er spendet ein Organ und stirbt kurz nach der Operation in ihren Armen.

Und natürlich wählt man auch den Helden so, dass er zur Prämisse passt. Vielleicht schließt er für sich selbst am Anfang des Buches aus, dass er sich überhaupt richtig verlieben kann. Oder man schildert, wie er sich über einen Freund aufregt, weil der sich wegen irgendeiner Liebschaft zum Affen macht.

Den Roman baut man so auf, dass alle Komplikationen immer wieder das Thema der Prämisse unterstreichen: Vielleicht muss der Protagonist beruflich auf Dauer in andere Länder wechseln und dabei diverse Freundinnen hinter sich lassen und ist zu einem Leben als Weltreisender verdammt, der immer wieder sein Vermögen verliert, so dass er sich nicht zu Ruhe setzen kann.

Wobei hilft die Prämisse?

Eine gute Prämisse hat die Fähigkeit den ganzen Roman zu strukturieren und kompakt zu halten. Alles was nicht zum Beweis der Prämisse beiträgt, ist überflüssig. Held und Nebenpersonen sind so gewählt, dass sie zur Prämisse passen. Handlungsstränge von Nebenpersonen können Variationen der Prämisse zeigen. Auch die Orte, an denen die Handlung spielt sollten die Prämisse unterstreichen.

Gehts auch ohne?

Den meisten guten Romanen und Filmen liegt eine Prämisse zugrunde. Manchmal wird sie nicht konsequent durchgehalten und der Text schweift zwischendurch ab. Aber wenn man am Ende eines Buches das Gefühl hat, dass es kein Aha-Erlebnis oder keine Auflösung gab, fehlt oft die Prämisse.

Literaturempfehlung: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt, von James N.Frey

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