Visualisierte Schwierigkeiten

Der Junge ging in den Raum. Er sah eine Kerze.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fällt es furchtbar schwer meine Beschreibungen mit ansprechenden Visualisierungen zu unterfüttern. Manche Versuche sehen so aus:

Der aschblonde Jüngling mit der sichelförmigen Narbe auf dem unrasierten Kinn rückte seine silberne Augenklappe zurecht und stieg über die verbogenen Reste der Metalltür in den schummrigen Schutzraum. Der Gestank von Fäulnis stach in seiner zweimal gebrochenen und schief wieder zusammengewachsenen Nase. Seine müden und vom Ozon gereizten Augen brauchten eine drei-viertel Ewigkeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Schließlich nahm er eine Lichtquelle wahr. Er hörte ein Knistern, noch bevor er das schwache Glimmen der Kerze sah. Plötzlich flammte sie auf. Es war eine von diesen bunten Geburtstagskerzen, die immer wieder angingen, wenn man sie löschte. Als die Kerze heller flackerte, fielen ihm die Stuckverziehrungen unter der Decke auf: Widerliche Teufels- und Dämonenfratzen, die hämisch grinsend auf ihn herabstarrten als wollten sie sagen: „Visualisieren ist nicht so Dein Ding, nicht wahr?“

Nun ja. Ich erinnere mich entfernt an meinen Schreibkurs vom letzten Jahr. Unser Schreibtrainer gab uns damals den Tipp im Raum auf und abzulaufen und sich in die Lage einer Person hineinzuversetzen. Das würde den Schreibprozess beflügeln.

Für Charaktere, die in einem Raum auf- und ablaufen, mag das ja eine tolle Methode sein, aber was ist, wenn mein Protagonist einfach nur schreibend dasitzt? Oder mit Handschellen und den Füßen in Beton kopfüber in einem abstürzenden Helikopter hängt? Kann mir jemand einen Helikopter zur Verfügung stellen? Ach und einer meiner Charaktere fliegt mit Überlichtgeschwindigkeit rückwärts durch ein Wurmloch, in der Prada-Handtasche zwei Raumanomalien.

Ich habe gar keine Prada-Handtasche.

2 Antworten

  1. Sind die müden und vom Ozon gereizten Augen blutunterlaufen unter hängenden Lidern, mit tiefen Ringen und Tränensäcken oder ohne? Mit Mongolenfalte oder Augenbrauenpiercing? Ich bräuchte da noch ein paar Details, um mir das richtig bildlich vorstellen zu können.

    27. Februar 2010 um 22:47

  2. Tränensäcke bis zum Boden! Piercings so groß wie LKW-Reifen!! Stirnfalten wie ein mongolisches Hochgebirge bei Frühfrost!!!

    28. Februar 2010 um 10:12

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