An Apple a Day …

2. Teil von NEKRONOMISCHE WEIHNACHTEN.

Nur langsam kehrte meine Erinnerung zurück.

Der Duft von gebackenen Keksen. Kugeln … so rot, so leuchtend rot …

„Wir wollten … es uns so richtig gemütlich machen, mit Baum und Geschenken.“ Der Polizist nickte mir ermutigend zu. „Am Samstag vorm 4. Advent war gemeinsames Plätzchenbacken geplant. Annita und ich hatten alles eingekauft – dachten wir. Kurz nach Ladenschluss kamen wir in der WG an und stellten beim Auspacken fest, dass die Eier fehlten. Jürgen wollte Zimtsterne machen und hatte seinen ganzen Werkzeugkasten auf dem Küchentisch ausgebreitet: Sägen, Zangen und eine kleine Guillotine – er hatte vor, die beste Methode zum Trennen von Eigelb und Eiweiß zu finden… Nach einigem Lamentieren erbarmte sich Annita und ging zu unserem Nachbarn, von dem man munkelte er sei bei Scientology. Nach kurzer Zeit kam sie mit 6 Eiern zurück. Sie rollte mit den Augen und sagte, er habe ihr 10 Euro für die Eier abgeknöpft.“

Der Schutzmann machte sich eine Notiz. „Als die Kekse im Ofen waren, kam Ben nach Hause – er jobbt auf dem Weihnachtsmarkt. Mit den Worten ´an Apple a Day keeps the doctor away´ präsentierte er uns vier große kandierte Äpfel. Die Glasur war so dick, dass ich mir fast die Zähne ausgebissen…“ Ich fuhr mit der Zunge über meine Zähne und stellte fest, dass meine beiden oberen Schneidezähne abgebrochen waren. Zutiefst erschrocken tastete ich mit den Fingern nach meinem Gesicht.

Der Duft von gebackenen Keksen. Kandierte Äpfel – so rot, so leuchtend rot …

Mein ganzer Kopf war in Mullbinden gewickelt. Ich blickte den Polizisten an. „Bin ich sehr schwer verletzt?“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Nein, nein. Ein paar Kratzer nur. Schürfwunden. Keine Brüche – von den Zähnen mal abgesehen. Das schlimmste sind noch die Bisswunden am …“ Er unterbrach sich selbst. „Machen Sie sich keine sorgen. Die kriegen das wieder hin.“

Ich löste die Hand von meinem eingewickelten Kopf. Eingepackt wie ein Weihnachtsgeschenk.

FORTSETZUNG HIER

2 Antworten

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