Nekronomische Weihnachten

Der Weihnachtsbaum – brennende Kerzen – bunt verpackte Geschenke. Der Geruch von Tannennadeln und geschmolzenem Wachs. Ein Gefühl des Fallens.

„Können Sie sich an irgendwas erinnern?“ Stöhnend öffnete ich die Augen. Ein Polizist blickte mich mitfühlend an. Weiße Laken. Ein Krankenhausbett. Ich setzte mich auf. Mein Schädel dröhnte vor Schmerzen, als hätte ich den 10-Liter-Topf Glühwein alleine ausgetrunken – mit Schuss.

„Ist Weihnachten schon vorbei?“ fragte ich.

„Ja, ein Weile schon“, sagte der Schutzmann, „wir haben den 2.Januar.“

„Verdammt, ich wollte Silvester zu meinen Eltern. Die werden sich bestimmt wundern.“ Ich wollte das Bett verlassen, aber der Polizist hielt mich sachte davon ab. „Ihre Eltern besichtigen gerade Ihre Wohnung, jetzt wo die Feuerwehr sie freigegeben hat.“ „Unsere Wohnung? Hat es gebrannt?“

Brennende Kerzen. Der Geruch von Tannennadeln und geschmolzenem Wachs.

„Was ist das Letzte, an das Sie sich erinnern können?“ setzte der Polizist erneut an. Ich massierte meine Stirn. „Warten Sie – ich war in der Schlussvorlesung vor den Weihnachtsferien. Dynastische Ursprungssagen im Spätmittelalter bei Prof. Hergemüller. Danach bin ich mit Ben in die Mensa … wir sprachen über die Feiertage. Bens Eltern waren über Weihnachten auf Mallorca – allein, da Ben die Feiertage bei den Eltern seiner Freundin verbringen hatte wollen. Mittlerweile hatte ihn seine Freundin aber verlassen. Ist jetzt mit so’nem dicken bärtigen Typen zusammen. So kurz vor Weihnachten! In der WG nennen wir sie alle nur noch ‚die Weihnachtsschlampe‘.“

Ich musste Husten. Der Polizist reichte mir ein Glas Wasser.

„Irgendwann sind wir nach Hause. Jürgen und Annita waren schon da. Annita war ganz bedröppelt. Ihr Vater – so ein hohes Tier bei einer isländischen Bank – musste über Weihnachten nach Reykjavik, geschäftlich. Ihre Eltern leben getrennt und zu ihrer Mutter hat sie keinen Kontakt. Da hatte Ben die Idee, dass sie Heilig Abend zu Zweit in der WG feiern könnten. Annita war erst nicht so überzeugt, aber Ben meinte, dass Jürgen und ich doch sicher auch dabei seien. Ich fand die Idee super. Jürgen auch, bei seinen Eltern gab es kein Internet und er meinte, er wäre über jeden Tag weniger dort heilfroh. Nach ein paar Telefonaten war die Sache geritzt. Ich wollte dann am 1. Feiertag zu meinen Eltern fahren.“

FORTSETZUNG HIER

5 Antworten

  1. Das fängt ja schon gut an, bin auf die Fortsetzung gespannt.

    11. Dezember 2009 um 7:49

  2. Awesome blogpost, I didn’t thought reading this would be so amazing when I read the link!!

    13. Dezember 2009 um 14:27

  3. Döpfners Webkommunist

    Auch ich freu mich schon auf die Fortsetzung von Cthulhu und Weihnachten und überhaupt…

    Wie kommt es zu meinem Besuch hier?
    Ganz einfach, das Gesetz der freien Marktwirtschaft.
    Für qualitativ hochwertige Artikel über Hamburg muß man jetzt zahlen. Da fragte ich mich: Was ist die Alternative? – und dachte sofort an Deinen Blog. Wußtest Du, daß der schon an 14. Stelle kommt, wenn man bei Google nach „Harburg Nachrichten“ sucht? Demnächst kannst Du Abogebühren verlangen.

    17. Dezember 2009 um 1:53

    • Prima! Reichtum und Wohlstand sind zum Greifen nahe…

      18. Dezember 2009 um 22:47

  4. Pingback: An Apple a Day … « Hotspot Harburg – Nachrichten vom Nabel der Welt

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