„jetzt wurde es sehr, sehr spannend“

Im Kapitel „beschreiben nicht benennen“ beschäftigten wir uns im diesmaligen Schreibkurs mit der Übung das Zentrum eines Textes nicht zu benennen: Geht es um einen kleinen Mann? Dann benutzt man nicht das Wort „klein“ oder sagt er war nur 1,42 m groß, sondern umschreibt diese Eigenschaft. Oder dreht sich ein Roman um die Rache eines Kapitäns an einem Wal, der ihm ein Bein abgebissen hat, dann vermeidet man Beschreibungen wie „der Kapitän verspürte große Rachegefühle und verfolgte den Wal eine halbe Ewigkeit“.

Warum? Die Erzählung wird durch Beschreibung der Auswirkung einer unbekannten und damit noch unbestimmten Sache spannender. Auch Vorwegnahmen sollte man deswegen sparsam einsetzen.

Gilt das immer? Nein. Vom Flug unserer Heldin Anna Gramm nach Kuala Lumpur ist wahrscheinlich nicht jede Flugminute einer Beschreibung würdig, wenn das zentrale Thema des Romans der Lebensraum der Seegurke ist, der von Anna untersucht wird. Es sei denn sie trifft auf dem Flug zufällig Andre Ass den berühmten Meereswissenschaftler und Experten für Sandlückenfauna.

Zentrale Punkte brauchen Szenen.

Die Übung bestand für uns schließlich darin die Liebe zwischen Paul und Tina zu beschreiben, ohne das Wort Liebe zu nennen. Wir hatten ca. 20 Minuten Zeit dies zu tun, für mich waren es allerdings gefühlte 3 Minuten, weswegen ich am Ende meines Textes eigentlich noch nicht so weit war, dass ich guten Gewissens hätte behaupten können, ich hätte das Thema nicht verfehlt. Aber lest selbst:

Paul stützte sich auf einen Felsen und wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß aus dem Gesicht: „Ich hätte nicht gedacht, dass 10km so lang sein können!“

Tina lächelte: „Hier in den Hügeln kann man die Entfernung leicht unterschätzen.“

Paul sog die kristallklare Luft in seine Lungen und ließ seinen Blick schweifen. Im Westen lag der Berg mit der großen Fernsehantenne. Seltsam, dachte Paul, die Antenne lag doch vorhin im Osten!? „Bist Du sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?“, fragte er. „Bin ich die Bergführerin oder du?“, antwortete Tina und wandte schnell ihr Gesicht ab. Paul versuchte mit dem Blick ihre Route zurückzuverfolgen. Er hatte sich mit Tina blendend unterhalten. Die bisherige Wanderung war wie im Flug vergangen. Wieviele Stunden waren es gewesen?`Paul schaute auf seine kaputte Taschenuhr. Tina hatte ausversehen einen Stein darauf fallen lassen. Komisch, die Sonne steht schon so tief. Das müssen doch mehr als drei Stunden Wanderung gewesen sein. „Sag mal wie spät ist es eigentlich?“, fragte er.

Tja, was ich so unter Liebe verstehe. Subtil, sicherlich, aber ihr habt die Zeichen der Liebe gewiss klar erkannt…

2 Antworten

  1. tobybaier

    Jo klasse, das finde ich wirklich sehr sehr spannend. Ist eigentlich auch eine meiner Maximen für das Songtexte-Schreiben. Ich glaub ich muss auch mal so nen Kurs mitmachen. Zimmer 14?

    3. April 2009 um 19:58

  2. Pingback: Wo es sich bloggen lässt… « Toby schreibt.

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