Scheitern als Chance

Endausscheidung bei der Suche nach Nachwuchsautoren. HIER findet man die Beiträge für den Wettbewerb „15 Minuten“ von Thalia und Kulturspiegel, aufgeteilt in die Regionen Hamburg, Berlin, Münster und Nürnberg. Ich habe es leider nicht geschafft, darum folgt mein Text im nächsten Blogeintrag.

Der Text ist aus dem Schreibkurs entstanden, was unschwer zu erkennen ist.

Viel Spaß damit! :-)

Fragebogen für ein X

Lange nichts mehr zum Schreiben geschrieben ;-) . Der Schreibkurs ist ja nun schon eine Weile zu Ende, aber ich treffe mich mit einem Teilnehmer einmal im Monat und wir geben uns gegenseitig Feedback.

Für meine Haupcharaktere habe ich kleine Fragebogen ausgearbeitet, um sie besser charakterisieren zu können:

Was hat X an seinen Eltern am meisten genervt?
Warum sind die Eltern Stolz auf X?
Was würde ein Klassenkamerad über den Schulkameraden X berichten?
War X schon mal verliebt?
Was ist X größter Antrieb?
Wann wird X wütend?
Wie reagiert X seine Wut ab?
Was bringt X zum Weinen?
Was würde X nur seinem besten Freund verraten?
Was würde X niemanden verraten?
Was würde X mit einem Lottogewinn machen?
Für wen würde X meilenweit gehen?

Manchmal habe ich keine richtige Antwort gefunden, z.B. wenn X nie weint, was aber trotzdem eine Erkenntnis war.

Für das Alien aus dem Film Alien I hat sich folgendes ergeben:
F: Was hat Alien an seinen Eltern am meisten genervt?
A: Dass sie bei seiner Geburt nicht da waren.

F: Warum sind die Eltern Stolz auf Alien?
A: Es kann so toll mit Säure umgehen.

F: Was würde ein Klassenkamerad über den Schulkameraden Alien berichten?
A: Leider durfte Alien nie die Schule besuchen :-( .

F: War Alien schon mal verliebt?
A: Es findet Ellen sehr attraktiv.

F: Was ist Aliens größter Antrieb?
A: Jagen, überleben und natürlich der Antrieb des Rettungsbeibootes, in dessen Strahl es dann verendet.

F: Wie reagiert Alien seine Wut ab?
A: Säurestrahl

F: Was bringt Alien zum Weinen?
A: Schlechte Sequels

F: Was würde Alien nur seinem besten Freund verraten?
A: Leider hat Alien keine Freunde, kein Wunder bei seinem Verhalten.

F: Was würde Alien niemanden verraten?
A: Das würden wir alle gerne wissen!

F: Was würde Alien mit einem Lottogewinn machen?
A: Erstmal 8 Wochen Karibikurlaub.

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Goldfische sind jetzt draußen

Ein Goldfisch würde sich draußen jetzt Pudelwohl fühlen, ein Pudel wohl weniger. Ersterer würde gemütlich über das Außenmühlenfest spazieren, den Bands und Wet-Shirt-Contests zuschauen und sich den Magen mit kandierten Äpfeln zukleistern. Wobei ich gerade gelernt habe, dass Goldfische sich vielfältig ernähren.

Dialog in der Zoofachhandlung:

Kundin: „Meine Aquariumspflanzen sehen so komisch aus.“
Fachhändler: „Goldfische fressen alle Arten von Blättern.“
Kundin (empört): „Die kleinen Arschlöcher!“

Haben es die kleinen Racker verdient, so wüst beschimpft zu werden? Ich denke ja – zur Regenzeit haben sie genug Vorteile, dass man da keine Rücksicht nehmen muss.

Autorrennen

„Nun heißt es Daumendrücken“, ist bisher das einzige Lebenszeichen, das ich vom Nachwuchsautorenwettbewerb von Spiegel und Thalia erhalten habe. Wieviele Einsendungen es gab, welchen Regionen die Autoren zugeordnet werden und wann die ersten Texte veröffentlicht werden bleibt geheim. Hier die Antwort, die ich auf meine Mail bekommen habe:

Liebe(r) Autor(in),

vielen Dank für Ihre Einsendung. Nun heisst es Daumendrücken.

Mit freundlichem Gruß
Das Team des Nachwuchsautorenwettbewerbs
des KulturSPIEGEL

Eine Stunde hat vier Quartale

Haben Sie Nachwuchs? Nein? Dann sind Sie vielleicht selber welcher! Bis Ende diesen Monats läuft der Nachwuchswettbewerb für Autoren vom Spiegel und Thalia. Wer noch nicht 36 ist darf mitmachen, sofern er es schafft eine Kurzgeschichte einzusenden, die nicht länger als 20.000 Zeichen ist. Das sollte in 15 Minuten hinzukriegen sein, denn die sind die Vorgabe für das Thema – oder so.

Ich werde versuchen mit meinen gesammelten Erfahrungen vom Schreibkurs dort richtig abzuräumen ;-) . Wer meinen Text hier lesen will, sollte aber die Daumen drücken, dass ich gleich in der Vorrunde rausfliege, da die teilnehmenden Texte nicht woanders vorab veröffentlicht werden dürfen.

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Die ein Becher seiende Tasse

Zum Zweiten Mal gab es Feedback zu meinem Roman. Diesmal hatte ich dem Schreibkurs 17 Seiten mitgegeben. Endlich gab es mal vernichtende Kritik. Der Vorwurf zu viele Partizipien zu verwenden, traf mich besonders hart, weil ich die Dinger gar nicht kannte. Anscheinend hatte ich bei ihrer Besprechung im Deutschunterricht nicht partizipiert. Aber zum Glück gibt es Wikipedia:

Ein Partizip ist eine infinite Verbform. Die Bezeichnung deutet auf die Teilhabe an den Eigenschaften sowohl von Adjektiven als auch von Verben hin.

Soweit so unverständlich, aber die Beispiele haben es dann klarer gemacht:

  1. Rathausdeutsch: „Er warf das Halbe Hähnchen in die neben ihm stehende Friteuse.“
  2. Viel besser: „Er stand neben dem Frittierkessel und ließ den ganzen Truthahn vorsichtig hinein sinken.“
  1. Beamtenlaufbahn: „Die nach der Akte greifende Hand war stark behaart.“
  2. Spitzenromanautor: „Die Hand, die nach der Akte griff, war stark behaart.“

Auch das Wort „stattdessen“ wurde mir verboten, stattdessen solle ich lieber weniger formal schreiben. Nahe liegend!

Weitere Erkenntnisse:

  • Unser Kursleiter kannte das Spiel Tetris nicht. Diesem Umstand konnte aber schnell mithilfe eines Handys abgeholfen werden.
  • Auch wenn beides rund ist und einen Henkel hat, darf das Wort Tasse nicht alternativ zum Wort Becher verwendet werden. Schade eigentlich.

Außerdem waren alle empört, dass ich nicht verraten habe, was in dem silbernen Koffer ist.

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The „Inner Circle“

Moin,

der zweite Teil des Schreibkurses hat begonnen. Vom Kursleiter „Inner Circle“ getauft, schwebt nun der Hauch des elitären über unserer Runde. Es sind allerdings dieselben Leute dabei. Einzige Zugangsbeschränkung war, dass keine neuen Leute dazustoßen sollten (was dann doch geschah).

Wieder stand die Perspektive im Vordergrund. Springt man zwischen der Gedankenwelt verschiedener Personen hin und her kommt der Leser durcheinander, aus wessen Perspektive er eine Situation zur Zeit sieht. Ansonsten sprachen wir über die Du-Perspektive.

Die sechste Armee vor Stalingrad

„Es gibt keine Frauenromane. Gute Romane sind interessant für alle Geschlechter, wieviele es auch immer sein mögen. Genauso albern ist es Romane für Männer anzubieten. Da sieht man dann Bücher wie ‘die sechste Armee vor Stalingrad’. Es gibt ja noch ein paar Themen mehr, für die man sich als Mann interessiert, z.B. den Afrikafeldzug“, meinte unser Kursleiter heute.

In der Textbesprechung lernten wie folgendes: Nicht zuviele chronologische Sprünge. Sonst kommt man emotional nicht an die Haupfigur heran. Das konsequente Dranbleiben an der Hauptfigur kann man sich gut in Filmen von Alfred Hitchcock oder Oliver Stone abschauen.

Veröffentlichungen waren ein weiteres Thema der Stunde. Unser Leiter empfiehlt, sich eher an Agenten als direkt an Verlage zu wenden, da diese viel besser einschätzen können wo sie ein Buch wie anbieten und die Konditionen besser verhandeln können. Eine Liste von Agenten findet man z.B. bei Sandra Uschtrin (LINK). Auf zwei Punkte soll man bei einem Agenten achten:

  1. Er oder sie sollte keinen Pfennig Geld verlangen, bevor man als Autor nicht Geld bekommt.
  2. Auf die Frage „Wieviele Manuskripte nehmen sie an?“ sollte die Antwort nicht „alle“ lauten. Seriöse Agenten nehmen nur einen Bruchteil der angebotenen Manuskripte an!

Nimmt ein guter Agent ein Manuskript an, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass dieses bei einem Verlag vom unteren Bereich eines Manuskriptstapels auf einen besseren Platz rutscht. Insgesamt ist auch viel Glück dabei, dass das eigene Manuskript tatsächlich mal veröffentlicht wird – aber man kann ja träumen. Unser Leiter berichtete davon, dass eines seiner Bücher ins türkische übersetzt wurde: „Ich habe Zuhause ein Buch stehen, dass ich selber geschrieben habe, aber nicht lesen kann.“

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Objektiv gesehen richtig

Grauer Beton. Schon wenn er das Atomkraftwerk nur aus der Ferne sieht, fühlt er sich schmutzig. Unsichtbare, todbringende Strahlung. Sie durchwirkt Luft, Wasser und Erde wie ein fixer Gedanke einen kranken Geist. Fette Bonzen bereichern sich, in dem sie die Sandburgen von Kindern verpesten. Vergängliche Bauwerke der verunstalteten Kinder unserer Kinder, die in tausenden von Jahren mit leuchtendem Sand aus längst verfallenen Endlagern ihre Förmchen füllen werden. Angewidert öffnet er die von der Atom-Lobby gestaltete Wikipedia-Seite und beginnt zu lesen.

Sechs Stunden später.

Friedlich leuchtete die Kuppel in der Abendsonne. Die Luft hier war erstaunlich warm und von Blütenduft geschwängert. Der niedrige CO2-Ausstoß des Kernkraftwerks machte das Atmen zu einem Genuss. Der Gedanke an die überlegene Effizienz des modernen Reaktors malte ein Lächeln auf die Lippen. Man spürte förmlich wie die Brennstäbe tanzten, ein Pärchen, das bei jeder Annäherung immer wieder aufs Neue heftig füreinander entflammt. Diese Zukunftstechnologie musste man einfach lieben.

Im Anschluss an die Perspektivbetrachtungen von letzter Woche unterstrich der Kursleiter, dass es im Roman keine Objektivität gibt (im Blog natürlich schon). Er stellte ein Bild vom Canale Grande auf den Tisch und wir mussten uns vorstellen, wie Undine durch Venedig schreitet. Dabei war Undine einmal zu Tode betrübt und das zweite Mal glückselig. Dementsprechend stand sie entweder in einer Art siebtem Himmel, in dem die flauschigen Schafswolken in stattlichen Gondeln lieblich singend an ihr vorüberzogen. Oder sie schaute auf den übel riechenden Brackwasserkanal hinab und dachte: Wann würde dieses stinkende Kaff endlich untergehen.

Reden ist Silber, Tacheles Gold.

Ich spürte, dass ich von etwas Groteskem verfolgt wurde, aber ich wagte nicht zurückzublicken. Dem Geräusch nach zu urteilen, war es ein riesiger sechsbeiniger Käfer, der mich verfolgte. Das sieht nicht gut aus, dachte der Käfer, als er den Abstand zwischen uns genug verkürzt hatte. Von weit oben betrachtet wirkten Verfolger und Verfolgter unscheinbar, ja unwichtig. Ihr wisst, wie es weitergeht.

Die Perspektive stand diese Woche im Mittelpunkt des Schreibkurses. Die drei klassichen Erzählperspektiven sind:

  • Allwissender Erzähler (neuerdings auktoriale Perspektive genannt)
  • Personale Perspektive (er sagte, sie sagte etc.)
  • Ich-Erzähler

Weniger klassisch, aber auch möglich:

  • Du-Perspektive (z.B. in „Das Glück der Anderen“ von Stewart O’Nan; mir natürlich vor allem bekannt, aus den Buffy-Soloabenteuern)
  • Wir-Perspektive (auch das gibt’s: „Die Selbstmord-Schwestern“ von Jeffrey Eugenides)
  • etc.

Wichtigste Grundregel, wenn man sich für eine Perspektive entschieden hat: konsequent bleiben. „Das wird sonst vom Lektorat sofort abgelehnt!“, sagte unser Leiter noch. Das heißt nicht, dass das ganze Buch in einer Perspektive geschrieben sein muss, aber im selben Abschnitt sollte man nicht die Perspektive wechseln.

Für Semi-Puristen ist es allerdings zulässig, die personale Perspektive ein wenig mit der auktorialen anzureichern, um z.B. die Person, aus deren Perspektive man schreibt, von Außen zu beschreiben: Zum Glück bin ich unbeobachtet, freute er sich, während hinter ihm das Google Streetview Car vorbeifuhr.

Ein Augenöffner war für mich heute folgende Erkenntnis: Wenn man sich nicht traut negatives Feedback auszusprechen wird dadurch jegliches Feedback wertlos.

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