Scheitern als Chance

Endausscheidung bei der Suche nach Nachwuchsautoren. HIER findet man die Beiträge für den Wettbewerb „15 Minuten“ von Thalia und Kulturspiegel, aufgeteilt in die Regionen Hamburg, Berlin, Münster und Nürnberg. Ich habe es leider nicht geschafft, darum folgt mein Text im nächsten Blogeintrag.

Der Text ist aus dem Schreibkurs entstanden, was unschwer zu erkennen ist.

Viel Spaß damit! :-)

„jetzt wurde es sehr, sehr spannend“

Im Kapitel „beschreiben nicht benennen“ beschäftigten wir uns im diesmaligen Schreibkurs mit der Übung das Zentrum eines Textes nicht zu benennen: Geht es um einen kleinen Mann? Dann benutzt man nicht das Wort „klein“ oder sagt er war nur 1,42 m groß, sondern umschreibt diese Eigenschaft. Oder dreht sich ein Roman um die Rache eines Kapitäns an einem Wal, der ihm ein Bein abgebissen hat, dann vermeidet man Beschreibungen wie „der Kapitän verspürte große Rachegefühle und verfolgte den Wal eine halbe Ewigkeit“.

Warum? Die Erzählung wird durch Beschreibung der Auswirkung einer unbekannten und damit noch unbestimmten Sache spannender. Auch Vorwegnahmen sollte man deswegen sparsam einsetzen.

Gilt das immer? Nein. Vom Flug unserer Heldin Anna Gramm nach Kuala Lumpur ist wahrscheinlich nicht jede Flugminute einer Beschreibung würdig, wenn das zentrale Thema des Romans der Lebensraum der Seegurke ist, der von Anna untersucht wird. Es sei denn sie trifft auf dem Flug zufällig Andre Ass den berühmten Meereswissenschaftler und Experten für Sandlückenfauna.

Zentrale Punkte brauchen Szenen.

Die Übung bestand für uns schließlich darin die Liebe zwischen Paul und Tina zu beschreiben, ohne das Wort Liebe zu nennen. Wir hatten ca. 20 Minuten Zeit dies zu tun, für mich waren es allerdings gefühlte 3 Minuten, weswegen ich am Ende meines Textes eigentlich noch nicht so weit war, dass ich guten Gewissens hätte behaupten können, ich hätte das Thema nicht verfehlt. Aber lest selbst:

Paul stützte sich auf einen Felsen und wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß aus dem Gesicht: „Ich hätte nicht gedacht, dass 10km so lang sein können!“

Tina lächelte: „Hier in den Hügeln kann man die Entfernung leicht unterschätzen.“

Paul sog die kristallklare Luft in seine Lungen und ließ seinen Blick schweifen. Im Westen lag der Berg mit der großen Fernsehantenne. Seltsam, dachte Paul, die Antenne lag doch vorhin im Osten!? „Bist Du sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?“, fragte er. „Bin ich die Bergführerin oder du?“, antwortete Tina und wandte schnell ihr Gesicht ab. Paul versuchte mit dem Blick ihre Route zurückzuverfolgen. Er hatte sich mit Tina blendend unterhalten. Die bisherige Wanderung war wie im Flug vergangen. Wieviele Stunden waren es gewesen?`Paul schaute auf seine kaputte Taschenuhr. Tina hatte ausversehen einen Stein darauf fallen lassen. Komisch, die Sonne steht schon so tief. Das müssen doch mehr als drei Stunden Wanderung gewesen sein. „Sag mal wie spät ist es eigentlich?“, fragte er.

Tja, was ich so unter Liebe verstehe. Subtil, sicherlich, aber ihr habt die Zeichen der Liebe gewiss klar erkannt…

Verbrennt Eure Kurzgeschichten

Du kriegst 10 Euro, wenn Du den nächsten Satz auch noch liest. Erster Tag des von mir belegten Schreibkurses. Der Ablauf: Jede Woche wird ein Text eines Teilnehmers besprochen. Wir bleiben respektvoll, aber scheuen uns nicht die Texte begründet zu kritisieren („Der Text ist nicht der Autor“). Finden alle den Text schlecht, kann man ihn ruhig wegwerfen. Der Leiter der Veranstaltung hat selbst einmal alle seine Kurzgeschichten verbrannt. Die Welt wäre eine bessere, wenn mehr Leute seinem Vorbild nacheifern würden.

Die ersten Tipps:

  • Wir schreiben über den Widerstreit des menschlichen Herzen mit sich selbst (William Faulkner).
  • Je besser der Text, umso weniger wird behauptet („Er war sehr traurig“ = würg)
  • Schreib den ersten Satz so, dass der Leser den zweiten lesen will.
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Joss Whedons 10 Tipps zum Drehbuchschreiben

Joss Whedon hat in einem Artikel von Catherine Bray im 4Talent magazine 10 Tips gegeben, wie man ein Drehbuch schreibt. Hier die zugegebner Maßen freie Übersetzung – Joss Original-Ton im Deutschen zu treffen fiel mir einfach zu schwer. Wer Englisch kann sollte bei Danny Stack das Original lesen. Ansonsten gelten die Tipps sicher auch für Diplomarbeiten, Romane usw.

1. Zum Schluss kommen
Joss empfiehlt erstmal bis zum Schluss zu schreiben, bevor man mittendrin an Kapiteln hängen bleibt, die noch nicht ganz perfekt sind. Viele seiner Freunde haben, nachdem sie zwei Drittel eines Drehbuchs fertig gestellt hatten, diese jahrelang umgeschrieben, ohne zum Ende zu kommen. Er gibt allerdings zu, dass letzteres auch nicht gerade eine leichte Aufgabe ist, aber ihre Erreichung sehr befreiend.

2. Struktur
Joss beschreibt sich als Strukturbesessenen. Er erstellt farbige Grafiken und Diagramme in denen er verschiedene Fragen beantwortet: Wo sind die Witze? Der Nervenkitzel? Liebesszenen? Wer weiß was und zu welchem Zeitpunkt? Man soll sich ausmalen wie das Publikum es erleben soll.

3. Man sollte was zu sagen haben
Sich selbst widerlegend meint Joss unter Punkt 3, dass dieser eigentlich der erste sein sollte. Die Anzahl Filme, die gar nicht von dem Handeln, was sie vorgeben zu tun sei erschütternd. Es sei selten einen Film mit einer Idee zu finden und keine Sammlung aus netten Versatzstücken.

4. Jeder hat einen Grund zu Leben
Jeder hat eine Perspektive und das sollte in allen Szenen berücksichtigt werden. Selbst für die kleinen Helfershelfer an der Seite des Oberbösewichts. Sie haben ihre eigene Stimme, Identität und Geschichte. Es entsteht kein Dialog, wenn jemand nur spricht um den Text eines anderen vorzubereiten. Nicht jeder Charakter muss witzig, aufgeweckt oder reizend sein und nicht jeder muss überhaupt etwas sagen, aber man muss wissen wer jemand ist, warum er dort ist, was er fühlt und tut und warum.

5. Bei Blockaden das Beste raus streichen
Ein Trick von Joss, wenn eine Story mal nicht funktionieren will, ist, die Szene oder Idee raus zu streichen, die man am meisten liebt. Das sei brutal, aber manchmal unvermeidbar und eine enorm befreiende Übung.

6. Zuhören
Die dümmste Person im Raum kann die beste Idee haben. Deswegen sollte man auf absolut jeden hören. Wenn Joss als Script-Doktor angeheuert wurde lag das meistens daran, dass irgendjemand eine Blockade hatte und die Leute um sich herum nicht mehr wahrgenommen hat.

7. Die Stimmung des Publikums verfolgen
Es gibt nur ein Ziel: das Publikum wirklich zu erreichen. Deswegen muss man laufend verfolgen, was das Publikum fühlt. Ein Autor sollte nicht nachträglich erklären müssen, was er mit einer Szene gemeint hat. Man muss im Sinne des Publikums denken.

8. Schreib einen Film
Dinge die abgefahren und aufwendig sind, sollten auch begeisternd geschildert werden. Unwichtige Dinge sollten kurz und bündig abgehandelt werden. Schon das Lesen sollte sich wie ein Film anfühlen. Das erspart später eine Menge Arbeit für einen selbst, den Director und die Filmbosse.

9. Nicht Zuhören
Widerspricht dieser Punkt Tip 6? Kein Problem, denn Joss meint, die besten Sachen kommen heraus, wenn jemand das System fickt (seine Worte). Das Unerwartete machen und die eigene, persönliche Stimme gegen eine Film-Produktionsmaschine durchsetzen, die tendenziell eher alles gleichmacht. Bei Firefly gab es einen Punkt, an dem das durchführende Network sich soweit von Joss Vorstellung abgewendet hatte, dass Joss abgebrochen hätte.

10. Keinen Ausverkauf machen.
Den ersten verdienten Cent hat Joss gespart, um danach niemals mehr einen Job anzunehmen, nur weil er musste. Allerdings könne man auch in allem etwas Gutes finden. Selbst in Waterworld oder Last Action Hero. In fast allen Filmen sei eine Idee. Wenn man etwas findet, das man liebt, kann man es machen. Wenn nicht betreibt man Unzucht, egal welche Skills man hat.

Dank nochmal an Catherine Bray für für die Erlaubnis das posten zu dürfen!

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